Silent Treatment oder toxisches Schweigen wird vom toxischen Partner benutzt, um den anderen zu bestrafen, Macht auszuüben und zu kontrollieren. Es ist eine Form der passiven Aggressivität, eine der Waffen des Narzissten. Die Kommunikation wird einfach abgebrochen.
Es ist eine perfide Manipulationsstrategie und besondere Form emotionaler Gewalt, die starke Unsicherheit und Angst beim Opfer auslöst. Der Täter verweigert bewußt die Kommunikation, um das Opfer zu bestrafen.
Der Täter sendet keine Signale aus, kein Wort, keine Geste, kein Blick…Du bekommst das Gefühl, für deinen Partner nicht mehr zu existieren. Bestrafung durch Nichtbeachtung könnte man diese Strategie auch nennen.
Silent Treatment kann Stunden, Tage, Wochen oder Monate anhalten. In der Beratung hatte ich eine Frau, deren Mann drei Monate nicht mit ihr gesprochen hatte und immer den Raum verlassen hat, wenn sie dazu gekommen ist…Glücklicherweise war das der Auslöser für die Entscheidung, sich zu trennen, nach mehr als 20 Jahren Ehe…
Was bewirkt Silent Treatment?
Für ein soziales Wesen wie den Menschen ist plötzlicher Kommunikationsabbruch eine soziale Bedrohung, fast gleich dem Ausschluß aus der Gemeinschaft. Selbstvorwürfe, Schuldgefühle, emotionale Unsicherheit, Selbstzweifel und Angst werden durch das toxische Schweigen bewirkt. Das Opfer fragt sich ständig „Habe ich etwas falsch gemacht? Was stimmt mit mir nicht?“ Starke Ängste und sogar physische Schmerzen können dadurch ausgelöst werden, denn ein Ausschluß aus der Gemeinschaft wird als eine lebensbedrohliche Situation empfunden. Plötzlich allein, nicht mehr zugehörig, aus Gründen die nicht zu verstehen sind…

Das Still-Face Experiment
Der amerikanische Psychologe Dr. Edward Tronick entwickelte in den 1970er an der Universität von Masschusetts das Still-Face-Experiment. Dabei verweigerten Mütter abrupt die Kommunikation mit ihrem Kind. Ihr Gesichtsausdruck fror ein und das Kind erhielt keine Aufmerksamkeit, keine Zuwendung mehr. Die Kinder wurden unruhig und ängstlich und suchten verzweifelt die Aufmerksamkeit der Mutter. Als die Mütter sich dann wieder den Kindern zuwandten, beruhigten diese sich. Durchgeführt wurde das Experiment mit Säuglingen bis zum Alter von 2 Monaten.
Diese Reaktion wird durch Silent Treatment auch bei Erwachsenen ausgelöst. Kommunikation ist nicht nur Informationsweitergabe. Die Kinder waren noch nicht in der Lage, die gesprochenen Worte der Mutter zu verstehen. Kommunikation ist jenseits der Bedeutung der gesprochenen Worte auch Zuwendung, Aufmerksamkeit und Anteilnahme.
Meiner Meinung nach ein gruseliges Stück Wissenschaft. Kinder wurden emotional misshandelt, um irgendwelche Erkenntnisse zu gewinnen, die empathischen und fühlenden Menschen sowieso klar sind. Toll!
Nicht jedes Schweigen ist toxisch
Nicht jedes Schweigen ist toxisch oder kann als Silent Treatment bezeichnet werden. Wir dürfen einfaches Schmollen nicht mit Silent Treatment oder toxischem Schweigen verwechseln. Schmollen geht vorbei und man kann dann wieder miteinander sprechen. Auch kann es gut sein, dass jemand erst seine Gefühle sortieren muß und dann nicht sprechen kann. Es kann gut sein , dass Traumata des Partners getriggert wurden und er durch die aufsteigenden Gefühle nicht sprechen kann. Dann ist emotionale Überforderung der Grund für das Schweigen und nicht der Drang nach Kontrolle und Macht über den Partner.
Wie reagiert man auf Silent Treatment?
Du wirst schnell merken, ob das Schweigen toxisch ist oder nicht. Schmollen oder emotionale Überforderung des Partners lässt sich mit etwas Zeit, liebevoller Zuwendung und Empathie wieder auflösen und die Kommunikation geht weiter. Wenn Du aber merkst, dass Dein Partner bewußt toxisches Schweigen anwendet, um Dich zu manipulieren oder zu bestrafen, dann solltest Du reagieren:
- Richte die Aufmerksamkeit auf Dich. Triff Freunde, unternehme etwas, mach Sport.
- Teile dem Partner mit, dass Du gesprächsbereit bist.
- Laufe ihm/ihr nicht hinterher, entschuldige Dich nicht, bettle nicht.
- Überdenke die Beziehung. Möchtest Du wirklich so behandelt werden?
- Versuch die Gedankenspirale zu stoppen. Beobachte Deine Gedanken und ersetze unerwünschte Gedanken durch das Gegenteil.
- Ziehe Konsequenzen, wenn das Verhalten häufiger vorkommt. D.h. minimiere den Kontakt oder brech ihn ab.
- Such Dir Unterstützung.
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